„Connection e.V.“ – Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk erhält alternativen Friedenspreis
Friedensinitiative Nottuln fährt nach Münster – und lädt alle zum Mitmachen ein
Zwei wichtige Termine für den Frieden: Alternativer Westfälischer Friedenspreis am 25. September und Protest gegen die NATO-Preisverleihung am 1. Oktober
Nottuln/Münster. Gleich mehrfach macht sich die Friedensinitiative Nottuln (FI) in den kommenden Wochen auf den Weg nach Münster. Sie lädt alle Menschen aus Nottuln und Umgebung ein, sich anzuschließen und gemeinsam für Frieden, Verständigung und zivile Konfliktlösungen einzutreten.

Im Mittelpunkt stehen zwei Termine: Am 25. September wird erstmals der Alternative Westfälische Friedenspreis verliehen. Am 1. Oktober geht es um den Protest gegen die Verleihung des offiziellen „Westfälischen Friedenspreises“ an die NATO.
Am 25. September wird um 18 Uhr im Historischen Rathaus der Alternative Westfälische Friedenspreis an Connection e.V. verliehen. Die Organisation setzt sich seit vielen Jahren für Menschen ein, die den Kriegsdienst verweigern. „Mit Connection e.V. verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit. Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung“, erklärt Robert Hülsbusch von der FI.
Der Preis wird künftig alle zwei Jahre vom Verein zur Würdigung und Förderung friedenspolitischer Initiativen – Alternativer Westfälischer Friedenspreis vergeben. Viele Mitglieder der FI Nottuln unterstützen den Verein, der inzwischen nahezu 100 Mitglieder zählt. Neue Mitglieder sind willkommen. www.alternativerwestfaelischerfriedenspreis.de
Entstanden ist der Verein aus der Kritik an der Entscheidung, den Westfälischen Friedenspreis 2026 an die NATO zu vergeben. „Der Westfälische Friede von 1648 steht für Verhandlungen, Ausgleich und Diplomatie. Diese Tradition wollen wir mit dem Alternativen Friedenspreis stärken“, so die FI.
Bereits ab 14 Uhr findet am 25. September auf dem Domplatz ein großes Friedens- und Kulturfest statt. Musik, Kultur, Informationen und Redebeiträge stehen auf dem Programm. Die Teilnahme an der Preisverleihung ist kostenlos, eine Anmeldung mit Ticket ist erforderlich.
Am 1. Oktober soll NATO-Generalsekretär Mark Rutte den „Internationalen Preis des Westfälischen Friedens“ entgegennehmen. Dagegen protestiert ein breites Bündnis von Friedensorganisationen. Geplant sind zwei Demonstrationen – eine am Vormittag und eine weitere am Nachmittag mit verschiedenen Stationen. Unter anderem soll ein Demonstrationszug vom NATO-Hauptquartier des 1. Deutsch-Niederländischen Corps am Schlossplatz zum Prinzipalmarkt führen.
„Wenn wir den Begriff Frieden ernst nehmen, brauchen wir Diplomatie, Verhandlungen und die Bereitschaft, auch mit dem Gegner im Gespräch zu bleiben“, sagt Hülsbusch.
Die FI ruft deshalb auf: „Machen wir uns gemeinsam auf den Weg nach Münster. Frieden ist keine Zuschauerveranstaltung. Wir können uns einmischen und gemeinsam zeigen, dass Diplomatie, Verständigung und gewaltfreie Konfliktlösungen eine starke Stimme brauchen.“
www.fi-nottuln.de
Mit freundlichen Grüßen
Robert Hülsbusch Fotos – Die Jury-Mitglieder für den Alternativen Westfälischen Friedenspreis – Margot Käßmann und Heribert Prantl – werden bei der Verleihung Ansprachen halten. (Fotos sind bei den WN erschienen).
Andreas Zumach über die Preisverleihung
Verleihung am Freitag, den 25.9.2026 um 18 Uhr im Friedenssaal des Rathauses in Münster.
Karten müssen vorbestellt werden. https://www.alternativerwestfaelischerfriedenspreis.de/
Der renommierte Preis des Westfälischen Friedens ging in diesem Jahr an die Nato. Aus Protest dagegen ist ein alternativer Friedenspreis aus der Taufe gehoben worden. Erster Preisträger ist ein Netzwerk für Kriegsdienstverweigerer.
Münster, Offenbach (epd). Der neu ins Leben gerufene alternative Friedenspreis von Münster und Osnabrück geht an das internationale Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk Connection aus Offenbach. Das gab der Historiker Alfons Kenkmann am Mittwoch in Münster im Namen der Jury bekannt. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird am 25. September im Historischen Rathaus von Münster überreicht.
Der „Alternative Westfälische Friedenspreis“ wurde Anfang des Jahres als Gegenentwurf zum renommierten Preis des Westfälischen Friedens ins Leben gerufen. Anlass war die diesjährige Vergabe an die Nato. Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe würdigte damit das Verteidigungsbündnis als „Garant für Frieden und Stabilität“.
Historiker kritisiert „oft einseitig militärisch geprägte Debatte“
Der alternative Friedenspreis solle einen klaren Kontrapunkt setzen, erklärte Juryvorsitzender Kenkmann. „Die Nato hat sich zuletzt nicht durch diplomatische Initiativen hervorgetan.“ Das Netzwerk Connection bringe hingegen die Perspektive von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren in die „oft einseitig militärisch geprägte Debatte ein“.
Der Verein Connection wurde 1993 in Offenbach am Main gegründet. Die Organisation fördert nach eigenen Angaben Völkerverständigung, Bildungsarbeit für Frieden sowie Toleranz und gewaltfreie Konfliktlösungen auf regionaler sowie internationaler Ebene. So setzt sich der Verein seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine 2022 für russische und ukrainische Kriegsdienstverweigerer und Deserteure ein.
Ehrung soll Engagement für Frieden und Gewaltlosigkeit würdigen
Der alternative Friedenspreis soll demnach künftig alle zwei Jahre an Menschen, Institutionen oder Gruppen verliehen werden, die „’von unten‘ dazu beigetragen haben, Frieden zu stiften, Feindbilder ab- und Vertrauen aufzubauen“. Vergeben wird er von dem eigens dazu gegründeten „Verein zur Würdigung und Förderung friedenspolitischer Initiativen“. https://www.alternativerwestfaelischerfriedenspreis.de/
Der Preis des Westfälischen Friedens wird seit 1998 in der Regel alle zwei Jahre verliehen. Die Auszeichnung ist mit 100.000 Euro dotiert und erinnert an den Friedensschluss in Münster und Osnabrück, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete.
Verfasst von Andreas Zumach.
Mit der Verleihung des Alternativen Westfälischen Friedenspreises alle zwei Jahre werden Friedensarbeit und Friedenspolitik gewürdigt und gefördert.
Mit dem Preis sollen Menschen, Institutionen oder Gruppen geehrt werden, die dazu beitragen, die Verständigung der Völker und der Menschen untereinander zu fördern, eine Konfliktlösung durch Dialog und Diplomatie zu suchen und Feindbilder abzubauen. Es werden Menschen geehrt, unabhängig von ideologischen, religiösen oder parteipolitischen Kriterien und unabhängig von ihrer sozialen oder nationalen Zugehörigkeit. Preistragende können Menschen oder Initiativen werden, die durch ihren Einsatz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit Frieden – auch zwischen Feinden stiften. So können mutige Projekte und Ideen, die Brücken bauen und eine friedliche und kooperative Welt anstreben, einen Preis von 10.000 Euro erhalten. Die Preisverleihung findet im Rathaus in Münster statt.
Vortrag mit Ralf Becker:
Zusammenfassung des Vortrags „Sicherheit und Frieden neu denken – Lehren aus dem Westfälischen Frieden für eine friedliche Zukunft Europas“ von Ralf Becker (Münster, 29.05.2026).
Kernaussage
Der Vortrag verbindet die historischen Erfahrungen des Westfälischen Friedens von 1648 mit aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Die zentrale These lautet:
Dauerhafter Frieden entsteht nicht durch militärische Überlegenheit, sondern durch Verhandlungen, Machtbalance, gegenseitige Sicherheitsgarantien und inklusive politische Strukturen.
1. Lehren aus dem Westfälischen Frieden
Der Westfälische Frieden wird als historisches Vorbild für erfolgreiche Friedenspolitik dargestellt:
- Friedensverhandlungen fanden trotz laufender Kampfhandlungen statt.
- Militärische Versuche, den Krieg zu gewinnen, scheiterten letztlich.
- Frieden wurde durch Geduld, Verhandlungen und Kompromisse erreicht.
- Alle Konfliktparteien wurden einbezogen.
- Es gab Amnestie und Mechanismen zur Versöhnung.
- Eine neue Machtbalance zwischen Kaiser, Fürsten und Konfessionen wurde geschaffen.
Daraus leitet der Vortrag mehrere Grundsätze ab:
- Verhandlungen sind auch während eines Krieges möglich.
- Frieden kann nicht militärisch erzwungen werden.
- Nachhaltiger Frieden braucht faire Machtbalancen.
- Friedensprozesse benötigen Ausdauer und politischen Willen.
2. Kritik an der heutigen Sicherheitsordnung
Der Vortrag kritisiert die seit dem Kalten Krieg vorherrschende „militärische Sicherheitslogik“:
- Aufrüstung und Abschreckung hätten keine dauerhafte Sicherheit geschaffen.
- Die NATO-Osterweiterung und die Nichtumsetzung einer gemeinsamen europäischen Sicherheitsordnung nach 1990 werden als politische Fehler bewertet.
- Die Kündigung wichtiger Abrüstungsverträge durch die USA wird als Rückschritt dargestellt.
- Die gegenwärtige Weltordnung wird als von Dominanzstreben großer Mächte geprägt beschrieben.
3. Das Projekt „Sicherheit neu denken“
Vorgestellt wird die Initiative „Sicherheit neu denken“, die seit 2015 Szenarien für eine schrittweise Ablösung militärischer Sicherheitssysteme entwickelt.
Ziele:
- langfristige Reduzierung militärischer Strukturen,
- Ausbau ziviler Konfliktbearbeitung,
- internationale Polizeistrukturen,
- soziale Verteidigung,
- globale Abrüstung.
Das Projekt wird inzwischen auch in anderen Ländern (u. a. Österreich, Niederlande) und Regionen aufgegriffen.
4. Vorschläge für eine neue europäische Sicherheitsarchitektur
Der Vortrag präsentiert ein Europa-Szenario für die Jahre 2025–2040.
Wichtige Elemente:
Europäische Friedensordnung mit Russland
- Anerkennung gegenseitiger Sicherheitsinteressen.
- Überwindung der Konfrontation zwischen NATO und Russland.
- Aufbau einer gemeinsamen europäischen Sicherheitsordnung.
Neutral gesicherte Staaten zwischen NATO und Russland
Für Länder wie die Ukraine wird vorgeschlagen:
- Neutralitätsstatus,
- Sicherheitsgarantien der UNO,
- gegebenenfalls internationale UN-Friedenstruppen aus neutralen oder nicht unmittelbar beteiligten Staaten.
Transatlantische Beziehungen
- Kooperation mit den USA,
- gleichzeitig stärkere europäische Eigenständigkeit („auf Augenhöhe“).
Globale Perspektive
- stärkere Zusammenarbeit mit Afrika,
- konstruktive Kooperation mit China,
- Partnerschaft mit den BRICS-Staaten,
- Reform der internationalen Institutionen einschließlich der UNO.
5. Ukrainekrieg
Der Vortrag vertritt die Position, dass:
- Russland eine reale Bedrohung darstellt,
- militärische Lösungen den Konflikt nicht beenden werden,
- ein Verhandlungsfrieden notwendig ist,
- die Sicherheitsinteressen sowohl der Ukraine als auch Russlands berücksichtigt werden müssen.
Diskutiert werden verschiedene Modelle für Waffenstillstand, Neutralitätsregelungen und internationale Sicherheitsgarantien.
6. Fünf Säulen einer zivilen europäischen Geopolitik
Der Vortrag schlägt als langfristige Orientierung vor:
- Umfassende ökologische Sicherheit
- Gerechte Nutzung globaler Ressourcen
- Gemeinsame Sicherheit durch inklusive Strukturen
- Freiheit, Demokratie und Menschenrechte
- Gegenseitig kontrollierte weltweite Abrüstung
7. Vision bis 2040
Das vorgestellte Zukunftsszenario sieht vor:
- Friedensschluss in der Ukraine,
- neue europäische Sicherheitsordnung,
- weltweite Abrüstungsverhandlungen,
- Reform der UNO,
- schrittweise globale Abrüstung,
- stärkere Orientierung an menschlicher Sicherheit statt militärischer Macht.
Fazit
Der Vortrag nutzt den Westfälischen Frieden als historisches Modell für heutige Konflikte. Seine zentrale Botschaft lautet, dass Frieden nicht durch militärische Dominanz, sondern durch Verhandlungen, Machtbalance, gegenseitige Sicherheitsgarantien, internationale Kooperation und langfristige Abrüstung erreicht werden kann. Die Initiative „Sicherheit neu denken“ entwickelt daraus konkrete Vorschläge für Europa, den Ukrainekrieg und die globale Sicherheitsordnung.

